Endspurt im Brechthaus: volles Programm im letzten Quartal

Foto: Martin Kluger/oh

„Glotzt nicht so romantisch!“ – das war eine der zentralen Forderungen des Theaterrevolutionärs Bertolt Brecht an sein Publikum. Zu glotzen respektive zu sehen und zu hören gibt es auch im letzten Quartal 2016 im Programm des von der Regio Augsburg Tourismus GmbH betreuten Brechthauses so einiges – Romantisches ist ohnehin nicht dabei. Dafür Führungen, Lesungen und Filme, die sich imGeburtshaus des Dichters und Dramaturgen mit seinem Œvre, seinen Themen und seiner Zeit auseinandersetzen.

Am 1. Oktober führt die gebürtige Berlinerin und Wahl-Augsburgerin Regina Thieme durch das Brechthaus: Sie kennt die Geburtsstadt wie den Sterbeort des Dichters und Dramaturgen und ist allein schon daher doppelte Brecht-Expertin. Thiemes Führung durch B.Bs. Geburtshaus (Auf dem Rain 7) am kommenden Samstag startet um 11 Uhr und dauert rund eine Stunde lang. Die Teilnehmer der Führung erfahren Wissenswertes zu Brechts Kindheit und Jugend in der Fuggerstadt sowie über seinen späteren Werdegang bis zu den letzten Jahren in (Ost-)Berlin. Die Führung kostet 3,00 € p.P.

Das erste Oktoberwochenende läutet schon am Vorabend, am Freitag, 30. September, um 19 Uhr
eine Lesung mit dem Titel „Vom Tagebuch No. 10 bis zur Hauspostille.
Der frühe Brecht und die Musik“ von Rita Romeo ein. Rita Romeo – Schülerin am Maria-Theresia-Gymnasium – hat in Zusammenarbeit mit der Brecht-Forschungsstätte Augsburg eine Seminararbeit verfasst, die sogar ineiner universitären Fachzeitschrift der Ukraine veröffentlicht wurde. Prof. Dr. Jürgen Hillesheim übernimmt an diesem Abend die Einführung und die Moderation. Der Vortrag kostet 3,00 € p.P.

Und schon am Sonntag, 9. Oktober, folgt – so Götz Beck, der für das Programm verantwortliche Tourismusdirektor – der nächste Höhepunkt im „brechtigen“ Terminkalender. Eine Lesung im Brechthaus (Beginn 11 Uhr) kombiniert der Augsburger Regisseur Stefan Schön mit Ausschnitten aus dem Kinofilm „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“
 aus dem Jahr 1932. Bei der Entstehung des „einzigen wirklich politischen Films der Weimarer Republik“ – so Schön – hatte Bert Brecht am Drehbuch mitgewirkt. Das Programm im Brechthaus im letzten Quartal 2016 endet wie von Brecht gefordert reichlich unromantisch am Sonntag, 11. Dezember um 11 Uhr – ebenfalls mit einer
Lesung von Stefan Schön. Gezeigt werden Filmausschnitte aus dem Film „Decameron“ des italienischen Star- und Skandalregisseurs
Pier Paolo Pasolini.
Die Veranstaltung kostet 3,00 € p.P.

Vorschau auf die weiteren Termine im Brechthaus bis Dezember 2016

Freitag, 21.10., 19 Uhr:
Musik- und Literaturabend | Doris Buchrucker, Gerhild Steinbuch

Junge Literatur aus aller Welt


Der junge Brecht war radikal, unkonventionell und zuweilen aufrührerisch. Seine Texte sind bis heute brandaktuell. Im Rahmen dieser Literaturreihe stellen junge Autoren, begleitet von Augsburger Musikern, ihre Texte denen Bertolt Brechts gegenüber und suchen nach Parallelen. Dazu liest die Schauspielerin Doris Buchrucker Brechttexte. 7,00 € p.P.


Sonntag, 30.10., 11 Uhr:
Musik und Theater | Karla Andrä (Sprache),
Josef Holzhauser (Musik)

„Nimm Platz am Tisch, du hast ihn doch gedeckt”


Das Duo „Text will Töne“ lädt ein zu einem Vormittag mit neu entdeckter und vertrauter Brechtlyrik – gesprochen, gesungen und gespielt. 7,00 € p.P.

Samstag, 05.11., 11 Uhr:
Schauspielerführung | Florian Kreis

„Brecht meets Brechthaus“


Florian Kreis entführt in die Kindheit und Jugendzeit Bertolt Brechts in Augsburg. Im Brechthaus werden Besucher immer wieder von Brecht „persönlich“ überrascht. Die Zuschauer
erfahren, was Bert
Brecht bewegte und was
ihn für sein Lebenswerk
inspirierte. 5,00 € p.P.


Sonntag, 06.11., 11 Uhr:
Lesung/Filmausschnitte (Brecht und Konsorten) | Stefan Schön

Die Verfolgung und
Ermordung Jean-Paul Marats


Bei „Marat/Sade“ handelt es sich um die kongeniale Verfilmung des Theaterstückes durch den britischen Star-Regisseur Peter Brook. Sein Autor, Peter Weiss, ist in seinem Leben immer wieder mit Brecht in Berührung gekommen und hat ihn in seinem schriftstellerischen Werk verarbeitet. Am 8. November2016 wäre Weiss 100 Jahre alt geworden. 3,00 € p.P.


Samstag, 12.11., 19 Uhr:
Sondergastspiel | Stefan Schön (Collage, Vocal),
Katharina Bihler, Jörg W. Gronius, Armin Schmitt

Die letzten Tage der Menschheit


Der Erste Weltkrieg katapultierte die europäische Gesellschaft in die Moderne. Pervertierung von Material und Menschen, Gier nach Berichten und Bildern, idiotische Ordnungsrichtlinien, eingebettete Kriegsberichterstattung, Ausflüge zu den Schlachtfeldern, Medizinzynismus und das „Endsieg“-Gefasel – das macht das Stück „Die letzten Tage
der Menschheit“ zum 
historischen wie aktuellen
Monument. Wegen eines
Aufsatzes zum Heldentod
im Krieg wäre der junge
Brecht 1916 beinahe von
der Schule geflogen. Die Lesung mit Szenen aus: „Die letzten
Tage der Menschheit“ von Karl Kraus bringt dieses Thema auf
den Punkt. 7,00 € p.P.


Freitag, 18.11., 19 Uhr: Lyrik und Musik | Karla Andrä und Carmen Jaud (Sprache), Josef Holzhauser und Walter Bittner (Musik)

Zwiesprache

Eva Strittmatter ist eine der meistgelesenen Lyrikerinnen der Gegenwart. Sie gehörte zum Kreis um Bertolt Brecht, als dessen Assistent ihr Mann Erwin Strittmatter am Berliner Ensemble tätig war. Die Augsburger Dichterin Carmen Jaud gibt mit ihrem Werk „Den Dingen die dauern und fliehen“ lyrische Antworten auf Eva Strittmatters Gedichte. In
Szene gesetzt wird diese Zwiesprache vom Duo „Text will Töne” zusammen mit Carmen Jaud und Walter Bittner. 7,00 € p.P.


Freitag, 25.11., 19 Uhr:
Vortrag | Prof. Dr. Klaus Wolf

Liegen die Wurzeln von Brechts
epischem Theater im Mittelalter?


Bert Brecht hat mit seinem epischen Theater die Bühne seiner Zeit revolutioniert – dies ist weithin bekannt. Weniger bekannt jedoch sind die literaturgeschichtlichen Wurzeln des epischen Theaters. Ausgehend von Brechts theatertheoretischen Schriften fahndet der Vortrag nach den mittelalterlichen Anfängen des epischen Theaters. Freuen Sie sich auf eine spannende Spurensuche. 3,00 € p.P.


Donnerstag, 01.12., 19: Uhr
Musik- und Literaturabend | Doris Buchrucker,
Richard Mayr

Junge Literatur aus aller Welt


Literatur aus der Welt ist manchmal einfach Literatur aus Augsburg. Weil Richard Mayr aus seinem humorvollen neuen Roman vorliest, für den er im letzten Jahr den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg erhalten hat, zeigt sich Brecht ebenfalls von seiner komödiantischen Seite. Doris Buchrucker liest aphoristische Texte des jungen und alten Brechts. Begleitet wird der Abend musikalisch von Franz Brenninger alias „Das Ding ausm Sumpf“ – der sich passend zur Literatur ebenfalls komisch gibt. 7,00 € p.P.


Samstag, 03.12., 11 Uhr:
Schauspielerführung | Florian Kreis

„Brecht meets Brechthaus“


Lassen Sie sich von Schauspieler Florian Kreis in die Kindheit und Jugendzeit Bertolt Brechts in Augsburg entführen. Während Sie das Brechthaus erkunden, werden Sie immer wieder von Brecht „persönlich“ überrascht. Die Augsburger Zeit des Dichters lebt wieder auf.
Die Zuschauer erfahren
dabei, was Brecht bewegte und was ihn für sein
späteres Lebenswerk
inspirierte. 5,00 € p.P.


Sonntag, 11.12., 11 Uhr:
Lesung/Filmausschnitte (Brecht und Konsorten) |
Stefan Schön

Trilogie des Lebens –
das Decamerone nach Giovanni Boccaccio

Bei Pier Paolo Pasolini handelt es sich nicht nur um einen Filmemacher, sondern auch um einen engagierten und kritisch-politischen Schriftsteller. Das von ihm verfilmte „Decamerone” ist ein Teil seiner „Trilogie des Lebens“. In kleinen Szenen wurde das Original von Giovanni Boccaccio – eine Sammlung von hundert Novellen aus dem 14. Jahrhundert – mit Liebe und Sorgfalt eingefangen. „Trilogie des Lebens“ – das besinnliche Matineeprogramm mit Filmausschnitten sorgt für Entschleunigung in der Vorweihnachtszeit. 3,00 € p.P.

 

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