„Per Venezia!“: Barockmusik von Monteverdi und Vivaldi in der Annakirche Augsburg

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Wenn sogar Johann Sebastian Bach bei einem Komponisten abschreibt, bedeutet das für diesen quasi den Ritterschlag: Note für Note hat Bach Johann Rosenmüllers Sterbechoral „Welt ade, ich bin dein müde“ in seine eigene Kantate BWV 27 übernommen – ein singulärer Vorgang im Bach’schen Schaffen. Die Werke des kopierten Johann Rosenmüllers (1617 – 1684) stehen im Mittelpunkt des Konzerts „Per Venezia!“ aus der Reihe „Die Fugger und die Musik“, das am 26. August um 19 Uhr in der Augsburger St.-Anna-Kirche stattfindet.

Neben Bach haben sich auch viele andere in den höchsten Tönen über Giovanni Rosenmiller – wie sich der Deutsche später in Venedig, wo er 24 Jahre lang wirkte, nannte – geäußert: Von Heinrich Schütz bis hin zu Georg Philipp Telemann reicht die Reihe seiner Fans. Rosenmüller verband in seinem Werk die Würde und die Gemessenheit des mitteldeutschen Satzes mit italienischer Farbigkeit und Klangsinnlichkeit und kreierte so seinen unverwechselbaren Stil. Als Reverenz an Rosemüllers Zeit in der Lagunenstadt werden bei dem Konzert in der Annakirche auch Werke von Antonio Vivaldi (1678 – 1741), einer von Rosenmüllers Nachfolgern als Chormeister am Ospedale della Pietà in Venedig, und Claudio Monteverdi (1567 – 1643) aufgeführt. Die moderne, affektgeladene Komponierweise des Letzteren – die „seconda prattica“ – lernte Rosenmüller bereits während eines Studienaufenthalts in Venedig 1645/46 kennen. Auch für die Geschichte der Fugger spielte „La Serenissima“ eine bedeutsame Rolle: In Venedig befand sich eine der wichtigsten Faktoreien der Familie. Im „Fondaco dei Tedeschi“, dem Wohn- und Kaufhaus der deutschen Kaufleute, konnten die Fugger eine eigene Kammer erwerben. Bereits als 14-Jähriger wurde der 1459 geborene Jakob Fugger – später „der Reiche“ genannt – in Venedig zum Kaufmann ausgebildet. Mit der Fuggerkapelle in der Augsburger Annakirche schuf er später das erste Bauwerk im Stil der italienischen Renaissance im heutigen Bayern.

Das „Ensemble 1684“

Die Musik der drei Meister bringt am 26. August das auf vorbach’sche Barockmusik spezialisierte Leipziger „Ensemble 1684“ unter der Leitung Gregor Meyers zur Aufführung. Meyer, der künstlerische Leiter des Ensembles, ist außerdem der Leiter des Leipziger GewandhausChors: Der semiprofessionelle Chor gehört zu den führenden Chören seiner Art und ist der philharmonische Chor des GewandhausOrchesters, des weltweit größten Berufsorchesters. Gemeinsam mit Markus Berger gründete Meyer das „Ensemble 1684“, das sich vor allem der Pflege vorbach’scher Barockmusik widmet und dem hauptsächlich Hochschulstudierende sowie junge Absolventen in wechselnden Besetzungen angehören. Neben der Konzerttätigkeit sind musikwissenschaftliche Forschung sowie pädagogische und Editionsarbeit wichtige Schwerpunkte des Ensembles.

Am 26. August musizieren:
Alice Ungerer, Annika Schönwälder: Sporan
Franziska Ernst, Henriette Reinhold: Alt
Enrico Busia, Alexander Hemmann: Tenor
David Will, Markus Berger: Bass
Saskia Klapper, Lena Schindler: Violine
Almuth Reinhold, Lea Strecker: Viola
Alejandro Barria: Cello
Philipp Rohmer: Violone
Gregor Meyer: Orgel und Leitung

 

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